Montag, 9. April 2012

Die Gesellschaft aus der Sicht eines Individuums

Eingeengt. Der Bewegung Freiheit genieße ich nicht. Allein vegetiere ich vor mich hin, mein Verstand Gefangen zwischen der Wirklichkeit und meinen Sehnsüchten, ohne Halt. Selbst die letzten Fäden, die ihn an meinen Körper binden scheinen sich zu lösen, „Auf nimmer wieder sehen“ verabschiede ich ihn. Die kalten Gitter meines eisernen Gewahrsams reizen meine von etlichen Narben und blauen Flecken geprägte krustige Haut. Meine Haare gleichen schon eher einem eigenen Himmelskörper mit entsprechend belebten Biotopen, kahlen und überwucherten Territorien. Ein sanfter Stoß widerfährt meinem Bein und ich höre ein lautes KLATSCH! Ich richte meinen müden Blick nach vorn und sehe eine angefressene, dem Verwesungsprozess mehr als entgegen schauende Hähnchenkeule vor mir liegen. Richte ich meinen Blick weiter nach vorn, so entdecke ich hämisch lächelnde schemenhafte Gesichter, dessen Augen die meinen starr durchbohren. Früher war die Demütigung durch solche Essensreste noch zu groß, als dass ich sie zu mir nehmen würde, heute jedoch sind sie alles was ich noch habe. Mit aller Kraft strecke ich meine dürren Finger dem Stück Knochen entgegen, jemand mit besonderem Geistesreichtum macht sich einen Spaß daraus an meinem Gefängnis zu rütteln. Jede Bewegung meiner Muskeln und Sehnen schmerzt, als ich die Hähnchenkeule langsam meinem Mund entgegenführe. Ein fauliger Geruch steigt in meine Nase und ich entdecke, wie eine kleine weiße Made seinen Weg aus der Keule sucht. Beherzt beiße ich in den vorhandenen Rest Fleisch. Nur mühsam lässt sich meine Zunge befeuchten, jeder Schluck fühlt sich an als würde ich versuchen Liter von Sand zu schlucken. Ich bemerke wie sich eine Genugtuung auf den Gesichtern der Umstehenden breit macht. Doch ein kleines Lichtlein vermag ich im Augenwinkel zu erkennen. Ein kleines Mädchen mit kastanienbraunem Haar, welches liebevoll zu zwei Zöpfen geflochten war. Große, blaue Augen schauen mir traurig und abschätzend entgegen. Ich wende mich ihr zu und betrachte sie. Einen Augenblick treffen sich unsere Blicke, sie erschrickt und ist gerade dabei sich umzudrehen, da wende ich mich schüchtern ab. Ich höre das Geräusch kleiner Füße, die sich in meine Richtung bewegen. Etwas raschelt an meinem Käfig, doch ich vermag mich nicht in jene Direktion zu drehen. Ein paar Stunden verharre ich eingerostet in dieser Position. Ob ich zwischendurch schlief weiß ich nicht, um Realität und Traum auseinander zuhalten war mein Verstand schon zu weit von mir entfernt. Als ich meinen Blick erneut nach links wende, sehe ich einen Strauß duftender Gänseblümchen und einen paradiesisch roten Apfel neben mir liegen. Voller Verlangen läuft mir das Wasser im Munde zusammen, als die glatte Oberfläche dessen meine rauen Lippen liebkost. Mit einer leichten Anstrengung durchbrechen meine Schneidezähne die schützende Schale, der fruchtige Saft strömt beim Zermahlen des Apfels meine Kehle hinunter. Fast hätte ich den Strauß der weiß-gelben Königinnen außer Acht gelassen, das erste Mal seit Jahren macht sich ein – wenn auch eher unansehnliches – Lächeln auf meinem Gesicht breit. Glücklich versinke ich in einen Trance-ähnlichen Zustand. In der Ferne nehme ich schallende Peitschenhiebe war, dessen Striemen wohl für lange Zeit blutig sein werden. Als jedoch der Schrei eines Kindes ertönt horcht mein müder Leib auf. Blitzschnell richte ich meinen Oberkörper in die Höhe und versuche auf das zu fokussieren was ich in der Ferne wahrnehme. Ein brauner Schopf flüchtet gesengten Hauptes vor einer schwarzen Gestalt. Mein Magen dreht sich mehrmals um und ich brauche gar nicht erst meinen Blumenstrauß zu betrachten um zu wissen um wen es sich handelt. Sehnsüchtig blicke ich mich die nächsten Tage nach ihr um, will doch nur wissen ob es der lieblichen Kreatur gut ergeht, doch wieder und wieder macht sich eine Enttäuschung in mir breit. Sie ist nicht da. Tag ein Tag aus vernehme ich Peitschenhiebe, Schreie und tosendes Gelächter. Ich träume davon, werde im Schlafe verfolgt. Ich beginne – mal wieder – Gespräche mit meiner Selbst zu führen, wiege mich in den Schlaf und schaue verängstigt in die Menge. Jahre später entdecke ich eine junge Frau. Kastanienbraune Haare, streng zu einem Zopf nach hinten gebunden. Große, blaue Augen, welche traurigen Blickes auf mich schauen, als sie die verschimmelte Tomate genau in mein Gesicht wirft. Sie war es. Sie war eine von ihnen. Meine Verachtung vor der Menschheit war niemals größer als in diesem Moment.

Sonntag, 26. Februar 2012

Korsage oder Frühlingskleid?

Ich sollte mal wieder shoppen gehen.

Ja, man könnte meinen für mich als Frau wäre es ein Normalzustand stundenlang durch Straßen und Läden zu ziehen um das hunderste Paar Schuhe und das passende Outfit dazu zu ergattern.
Ist es nicht. -
Gut, mag es für manch' einen sein, aber das ist nicht Thema dieser Unterhaltung.
Ich suche nach neuen Gefühlen, Veränderung.
Jeden Tag stehe ich vor einem Kleiderschrank
voller Gefühle
und stelle mir die Frage,
welches jener mir denn heut' gut stehen würd'.
Einige sind mit unserer gemeinsamen Zeit ziemlich eng geworden,
an den meisten Stellen fehlt ein Knopf,
der Stoff
ist rissig oder die Farbe verblasst.

Ich sollte mal wieder shoppen gehen.

Die einzigen Gefühle die mir momentan passen
sind grau
oder schwarz
und verschleiern meinen zarten Körper voll und ganz.
Ich habe keine Lust mehr, ich brauche Abwechslung!
Gerne würd ich mich in einem frischen grün zeigen,
strahlend und seidig,
Freude meine Tage säumen lassen.
Aber du möchtest mir kein neues Kleid kaufen,
kein neues Gefühl geben.
Es wäre eh egal wie ich herum laufe. Gehässig trampelst
du noch auf ihnen herum,
dabei wird schwarz nicht schwärzer.
Schwarz ist ein ewiger Abgrund,
tiefer als tief fallen kann ich nicht.
Und selbst dieser Abgrund scheint
zu verblassen,
die einzigen Gefühle die ich noch kenne
verlassen mich nun auch.
Kalt wird es (und das nicht nur wegen der Löcher in meiner Kleidung),
zitternd sitze ich in der Zimmerecke
und starre leeren Blickes auf den Kleiderschrank.
Ich sehe keinen Ausweg.
Gehe ich doch lieber nackt in die Welt
als umringt von schlechten Gefühlen.
Oder ich male mich bunt an,
vielleicht bringt das frische Farbe
in meinen grauen Alltag.
Diese Gefühle jedoch wären vorgetäuscht,
wie ein Lächeln am Tage meiner schlimmsten Depressionen.

Ich sollte mal wieder shoppen gehen.

Ein Dialog zwischen Es und Ich

(Der Text des "Ich's" ist eingerückt vorzufinden)

Nimm' dir Stift und Papier.
     Das hat doch alles keinen Sinn.
Glaube, vertraue mir, nimm' dir Stift und Papier.
     Glaube, Glaube, Vertrauen... Nichts haben sie mir genutzt!
Steh' auf, du kannst nie wissen. Vertraue mir.
     Wieso sollte ich dir nun trauen, wenn du mich sonst nie schützt, dich sonst kaum eines Wortes
      bedienest,
      mir zuschaust,
      wie ich,
      in mein eigenes Elend wandere,
      einen tiefen, düsteren Pfad entlang?
Und wenn nun gerade ich das entscheidende Lichtleicht in den tiefen Abgründen deiner Obskurität bin? Wenn gerade ich die köstlichste Frucht' – und du wüsstest es nicht, weil du mich nicht gekostet hast?
      Recht hat es. Aber dem kann ich mich nicht entblößen. Zu fragil sind seine Argumente,
      zu undurchschaubar seine Absichten.
Nimm' dir Stift und Papier.
     Warum? Was solle es mir nützen?
Vertrau mir.
     Warum?
Ich weiß, was gut für dich ist, du weißt, was gut für dich ist. Doch du kannst es dir nicht eingestehen.
     Nun gut. Vielleicht sollte ich es probieren. Stift und Papier also. Und jetzt?
So funktioniert das nicht.
     Was?!
Deine Einstellung, du bist nicht mit dem Herzen dabei, du glaubst nicht daran.
     Wie soll ich auch daran glauben, wenn ich nicht weiß, ob es fruchtet?
So wirst du nie weit kommen. Schaffst du es doch nicht einmal über deine eigenen Abgründe hinwegzuschauen. Nicht einmal einen kleinen Blick traust du dir zu. Irgendwann versagt die Kraft in deinen Armen und du stürzt erneut.
     Habe ich mich nicht einmal getraut zu kämpfen, als dies von Nöten war. Du hast Recht.
Ich weiß. Ich habe immer Recht. Unwissender, du hast noch viel zu lernen.
-
     Ich glaube ich habe Fehler gemacht.
Wahrhaftig. Unzählige, gravierende.
     Ich bin nicht hier um mir irgendetwas vorwerfen zu lassen, das habe ich nicht nö-
Nicht nötig? Sei ehrlich zu dir. Ich werfe dir nichts vor. Zudem ist meine Existenz nicht einmal bewiesen.
     Bin ich verrückt?
Nein, nein. Ich bin verrückt.
     Wie, du bist verrückt? Ich dachte du existierst nicht?!
Das ist ja das Verrückte. 

Nebelschwaden

Komm'
und nimm
meine Hand;
folge mir und ich zeige dir
eine wunderbare Welt.

Tauche mit mir ein
in den tiefen Nebel,
welcher auf den Auen sachte
um die Gräser strömt und
sie in einen dünnen Mantel
aus Frost
bettet.

Tauche mit mir ein
in die Ungewissheit
von dem was war
- und von dem was kommt.

Tauche mit mir ein
in einen Ort der Stille
und des Friedens.
Werde eins mit der Natur
und schaue in einen mit Wolken bestickten
Himmel.

Tauche mit mir ein
in eine mit Mondlicht geflutete
Kompensation aus Ganzheit,
der Ganzheit des Körpers
- und der Seele.

Tauche mit mir ein
in die endlose Stille,
Schweigsamkeit,
Vollendung
und Kälte

des Todes.

Sonntag, 12. Februar 2012

< 3

Ein kleiner Gedanke,
ein Brodeln in meinem Bauche,
ein kleiner Zauber
und ein großes Lächeln in meinem Gesicht,

Eine kleine Berührung,
ein Erdbeben in meinem Leibe,
ein starker Zauber,
und ein großes Lächeln in meinem Herzen,

Ein kleiner Kuss,
eine Explosion in meinem Herzen,
ein unbeschreiblicher Zauber,
und ein großes Lächeln in meinem Leben.

Magic of Words

Imagine all the words
You say
Can build a new world
In which
Everything you dream of
Exists

You would be
Your king
Everything you want
Would be
And everytime
you need to flee
In this world
You just need to say
A word.

Samstag, 4. Februar 2012

Hilflos

Ich schreie, ja flehe um Hilfe,
doch niemand hört mein klägliches Wimmern,
außer dir,
jener lachend mit verächtlichem Blicke
in der Ecke steht.